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Für mehr Versorgungssicherheit im internationalen Energiemarkt

Neues EU-Projekt entwickelt Grundlagen für Zusammenspiel transnationaler Energieplattformen

​Die Energiewende hat das Ziel, Europa bis zur Mitte des Jahrhunderts kohlenstoffneutral zu machen. Damit einher geht nicht nur ein weiterer Ausbau der Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen, sondern auch die Dezentralisierung von Energieressourcen und die Kopplung verschiedener Sektoren des Energiesystems. Die Integration von Marktteilnehmern, die flexible Kapazitäten für Erzeugung, Speicherung und Lastverschiebung anbieten, benötigt skalierbare digitale Flexibilitätsplattformen. Standards für solche Plattformen, die Interoperabilität sowie Spezifikationen von Flexibilitätsanforderungen müssen jedoch noch definiert werden. Diesen Fragen widmet sich das Forschungsprojekt "Digitale Lösungen für die Interoperabilität von Flexibilitätsplattformen (DigIPlat)", das Förderung aus den drei beteiligten Ländern und von der Europäischen Union im Rahmen des Forschungs- und Innovationsprogramms „Horizon 2020“ bis April 2025 erhält.

Koordiniert wird das Projekt von der Technischen Hochschule Ulm (THU) mit folgenden Partnerinstitutionen aus der Region Deutschland/Österreich/Schweiz (DACH): den Stromübertragungsnetzbetreibern Transnet BW und Austrian Power Grid AG (APG), dem Austrian Institute of Technology (AIT), Fichtner IT Consulting, dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT), und dem Institut für Operations Research und Computational Finance (ior/cf-HSG) der Universität St. Gallen.

Das Hauptziel des Forschungsprojekts DigIPlat ist die Identifizierung von Maßnahmen zur Implementierung, Anpassung und zum Wissenstransfer von standardisierten digitalen Lösungen für das Zusammenspiel transnationaler Flexibilitätsmärkte.
Darauf aufbauend soll eine internationale Plattform entwickelt werden, auf der die transnationalen Flexibilitätsmärkte zusammenarbeiten können, um so die sichere Stromversorgung weiterhin auch international auf einem hohen Niveau zu halten. Im Projekt sollen daher ein standardisierter Rahmen definiert sowie derzeit existierende Flexibilitätsplattformen mit breiter Stakeholder-Beteiligung und Prototypen technisch evaluiert werden. Der wirtschaftliche Nutzen wird in einem zu entwickelnden Marktmodell bewertet, das Intraday- und Regelleistungsmärkte sowie Redispatch und ein gemeinsames Netzmodell umfasst.

Die multinationale Forschungskooperation möchte hierbei verteilte Energieressourcen (Distributed Energy Resources, DER) für Übertragungs- und Verteilnetzbetreiber auf skalierbaren digitalen Plattformen flexibel zugänglich machen. Es geht um kleine und mittlere Erzeugungs-, Verbrauchs-  oder Speicherkomponenten wie z. B. häusliche Batteriespeicher, die mit Photovoltaikanlagen gekoppelt werden können, kleine Wasserkraftwerke, Wärmepumpen oder auch die kombinierte Batteriekapazität vieler Elektroautos.
Der Austausch des angebotenen Flexibilitätspotenzials zwischen den Plattformen und koordinierte Aktivierungen über mehrere Spannungsebenen oder Marktgebiete hinweg werden dazu beitragen, die Netzstabilität zu gewährleisten und eine wirtschaftlich effiziente und transparente Zuteilung von Flexibilität zu fördern, sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene.

Während in der jüngsten Vergangenheit bereits verschiedene Plattformen von Forschungsinitiativen oder als Vorzeigeprojekte von Übertragungs- und Verteilnetzbetreibern entwickelt wurden, steht die Festlegung internationale Standards für Flexibilitätsplattformen und standardisierter Flexibilitätsanforderungen bislang noch aus. Diese sind entscheidend, um die Interoperabilität zwischen Plattformen auf nationaler und internationaler Ebene zu erreichen, eine bessere Koordinierung der vertikalen und horizontalen Marktintegration zu ermöglichen und die Zuteilung von Flexibilität zwischen Plattformen zu optimieren.

All dies ist notwendig, um die Transformation des Energiesystems für Wirtschaft, Gesellschaft und Industrie für Europa sicher zu gestalten.

Weitere Informationen unter www.thu.de/smartgrids.

Bildquelle: Markus Breig, KIT

13.05.2022 09:30

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