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Gefahrstoffe

Wie gefährden Gefahrstoffe Mensch und Umwelt? Reichen die bestehenden gesetzlichen Bestimmungen zu ihrem Schutz aus? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der interdisziplinären Analysen in diesen Projekten, bei denen unter anderem bestimmte gesetzliche Bestimmungen zu Gefahrstoffen hinterfragt und anhand von öffentlich zugänglichen Daten analysiert werden.

Ansprechpartnerin:
Institut für angewandte Forschung

Aktuelle Projekte

Gesundheitliche Wirkungen von Duftstoffen

Projektleiterin: Prof. Dr. Ursula Klaschka (THU), Anne Steinemann (University of Melbourne)
Projektlaufzeit
:
 seit 2019
Mittelgeber: THU Eigenmittel
Programmname: THU-Forschungsgebiet Gefahrstoffe

Projektbeschreibung:

Es ist schon länger bekannt, dass viele Duftstoffe Gefahrstoffe und somit gesundheits- und umweltgefährlich sind. Es gab jedoch bisher noch keine Untersuchung dazu, wie groß der Anteil der Bevölkerung ist, der durch Produkte, die Duftstoffe enthalten, wie Putzmittel, Körperpflegemittel oder Raumdüfte, negative Wirkungen auf die Gesundheit beobachtet und welche gesundheitlichen Probleme sie bei welchen bedufteten Produkten beobachten. 2019 wurde eine repräsentative Auswahl an 1102 Erwachsenen nach den von ihnen beobachteten gesundheitlichen Auswirkungen von Duftstoffen befragt.

In der Studie gaben 19,9 % Gesundheitsprobleme an, wenn sie Duftstoffen ausgesetzt sind. Die am häufigsten genannten Effekte waren Probleme der Atemwege (55,3 %), Migränekopfschmerz (25,1 %) oder Asthmaanfälle (16,9 %). Ein Drittel dieser Personen gab an, dass diese Gesundheitsprobleme für sie eine Behinderung darstellen. 5,5 % der Bevölkerung verloren im Laufe des letzten Jahres aufgrund der negativen Wirkungen von Duftstoffen Arbeitstage oder die Arbeitsstelle. Die Mehrheit der Deutschen zieht duftstofffreie Arbeitsplätze, medizinische Einrichtungen, Flugzeuge und Hotels den bedufteten Alternativen vor.

Diese Daten zeigen quantitativ die Wahrnehmung von gesundheitlichen Auswirkungen von Duftstoffen auf einen großen Teil der Bevölkerung.

 

Fragranced consumer products have been associated with adverse human health effects and subsequent impacts in society. Using a nationally representative population-based sample (n = 1102), data were collected in 2019 using an online survey of adults in Germany. The study found that, 19.9 % report health problems, such as respiratory problems (55.3 %), migraine headaches (25.1 %), and asthma attacks (16.9 %), when exposed to fragranced products. Of these reports of health effects, 33.8 % could be considered potentially disabling. Further, 5.5 % of the population have lost workdays or a job, in the past year, due to exposure to fragranced products in the workplace. A majority of Germans would prefer that workplaces, health care facilities and professionals, airplanes, and hotels were fragrance-free rather than fragranced. Results from this study provide new evidence that exposures to fragranced consumer products are associated with adverse health and societal effects among the German population, and that reducing exposures such as through fragrance-free policies could provide benefits.


Naturstoffe in Körperpflegemitteln

Projektleiterin: Prof. Dr. Ursula Klaschka
Projektlaufzeit: seit 2012
Mittelgeber: THU Eigenmittel
Programmname: THU-Forschungsgebiet Gefahrstoffe


Projektbeschreibung:
Es ist bekannt, dass sehr viele Naturstoffe für Mensch und Umwelt giftig sind. Die Meinung, dass Naturkosmetika oder Naturheilmittel grundsätzlich „besser“ sind, ist daher falsch. In diesem Projekt wird analysiert, wie viele und welche Naturstoffe in Körperpflegemitteln gefährlich für Mensch und Umwelt sind.
Hierfür wurden die Naturstoffe, die in der europäischen Liste von Kosmetikinhaltsstoffen, INCI, aufgeführt sind, zusammengetragen und untersucht, ob und wie die Hersteller diese Stoffe als Gefahrstoffe einstufen und kennzeichnen.
Ein Ergebnis war, dass über die Hälfte als Gefahrstoffe eingestuft sind. Viele Naturstoffe, die für den Schutz der Haut empfohlen werden, sind als hautreizende oder allergieauslösende Gefahrstoffe eingestuft, z. B. Kamillenextrakt, Baldrianextrakt oder verschiedene Orangenöle. Es sind auch einige krebserregende Stoffe darunter und zahlreiche Stoffe, die für Wasserorganismen eine Gefährdung darstellen. Die Untersuchungen zeigen, dass Konsumenten beim Einsatz von Naturkosmetika grundsätzlich nicht weniger Gefahrstoffe auftragen, als beim Einsatz von konventionellen Körperpflegemitteln. Eine weitere wichtige Schlussfolgerung der Studie ist, dass eine prinzipielle Ausnahmeregelung für Naturstoffe in der REACH-Verordnung sachlich nicht zu begründen ist.

Risikokommunikation

Projektleiterin: Prof. Dr. Ursula Klaschka
Projektlaufzeit: seit 2017
Mittelgeber: THU Eigenmittel
Programmname: THU-Forschungsgebiet Gefahrstoffe

Projektbeschreibung:
Viele Konsumenten haben Schwierigkeiten, Gefahrenpiktogramme und somit Informationen über gefährliche Inhaltsstoffe in Alltagsprodukten richtig zu verstehen. Dieses Projekt untersucht, ob gebildete Personen im Vergleich zu Durchschnittsbürgern die Informationen zu gesundheits- und umweltgefährdenden Stoffen in Alltagsprodukten korrekt verstehen und nutzen können. In der Umfrage schnitten Personen mit sehr guten Chemiekenntnissen bei einigen Fragen besser ab, als Personen ohne Chemiekenntnisse, aber in einigen Fällen sogar schlechter. Dieses Ergebnis zeigt, dass das Thema der Produktinhaltsstoffe und rechtlichen Regelungen so komplex ist, dass auch Personen, die über sehr gute Chemiekenntnisse verfügen, nicht automatisch Experten für Chemikalien in Alltagsprodukten sind. Eine Schlussfolgerung dieser Studie ist, dass es einen dringenden Bedarf gibt, Konsumenten bei der Risikowahrnehmung von gesundheits- und umweltgefährdenden Stoffen in Alltagsprodukten zu unterstützen.

Abgeschlossene Projekte

Gefahrstoffe in Kosmetika

Projektleiterin: Prof. Dr. Ursula Klaschka
Projektlaufzeit: seit 2010

Projektbeschreibung:
Für Körperpflegemittel gibt es eine Ausnahmeregelung: Sie müssen nicht wie andere Chemikalien und Produkte eingestuft und gekennzeichnet werden, auch wenn sie Gefahrstoffe enthalten. Ich habe die Kriterien der EU Verordnung zur Einstufung und Kennzeichnung von Substanzen und Mischungen (CLP-Verordnung) auf Rezepturen von Kosmetikprodukten angewendet und dabei herausgefunden, dass ohne diese Ausnahmegenehmigung fast alle Körperpflegemittel als gefährlich eingestuft und kennzeichnet werden müssten.
Die CLP-Verordnung sieht neben den Gefahrenhinweisen (H-Sätze) auch Sicherheitsratschläge (P-Sätze) auf den Produkten vor. Bei Wegfall der Ausnahmeregel für Körperpflegemittel gäbe es für Verbraucher damit Hinweise für eine sichere Anwendung der Produkte. Ich habe die P-Sätze für einige Körperpflegemittelrezepturen entsprechend der CLP-Verordnung abgeleitet. Die Ergebnisse ergaben, dass die Empfehlungen für einen sicheren Umgang, die für andere Alltagsprodukte wie Klebstoffe, Waschmittel etc. gelten, für Körperpflegemittel nicht praktikabel sind. So müssten z. B. auf Parfüm die Sicherheitsratschläge stehen: „nach Gebrauch... gründlich waschen“ oder „bei unzureichender Belüftung Atemschutz tragen.“
Aus diesen Resultaten und aus meinen bisherigen Studien zu allergieauslösenden Duftstoffen folgt zum einen, dass es am besten wäre, aus Vorsorgegründen auf besonders gefährliche Stoffe in Körperpflegemitteln zu verzichten. Zum anderen, dass die Piktogramme der neuen EU-Verordnung zur Einstufung und Kennzeichnung unzureichend sind, und weiterhin, dass die aktuellen Regelungen keinem sinnvollen Konsumentenschutz entsprechen.

Meldungen von Körperpflegemitteln in RAPEX

Projektleiterin: Prof. Dr. Ursula Klaschka
Projektlaufzeit: seit 2016
Projektbeschreibung:
Produkte, bei denen sich durch Kontrollen in der EU herausgestellt hat, dass sie besonders gefährlich sind, werden zur Information der Konsumenten in einem Informationsportal, www.rapex.eu (Rapid Alert System for non-food dangerous products) öffentlich aufgeführt.

Projekt: SVHC Auskunftsrecht

Projektleiterin: Prof. Dr. Ursula Klaschka
Projektlaufzeit: seit 2017
Projektbeschreibung:
Wie wirksam ist das Auskunftsrecht von Konsumenten über besonders besorgniserregende Stoffe in Produkten?

Allergene Duftstoffe in Haushaltsprodukten

Projektleiterin: Prof. Dr. Ursula Klaschka
Projektlaufzeit: seit 2017

Projektbeschreibung:

Duftstoffe spielen eine wichtige Rolle in Haushaltsprodukten. Das gilt sowohl für Körperpflegemittel als auch für Wasch- und Reinigungsmittel. Es ist weithin bekannt, dass zahlreiche dieser Duftstoffe allergieauslösende Eigenschaften haben und dass einige von ihnen schädigend für aquatischen Umweltorganismen sind. 26 gut untersuchte Duftstoffe müssen namentlich in den Inhaltsstofflisten von Körperpflegemitteln und Wasch- und Reinigungsmitteln aufgeführt werden. Das Ziel dieser Studie war, herauszufinden, auf welchen Körperpflegemitteln und Wasch- und Reinigungsmitteln diese 26 Duftstoffe aufgeführt sind.


Der Infochemikalieneffekt

Projektleiterin: Prof. Dr. Ursula Klaschka
Projektlaufzeit: seit 2008

Projektbeschreibung:
Organismen aller Taxa nehmen ihre Umgebung ganz wesentlich über chemische Stoffe, sogenannte Infochemikalien, wahr. Diese chemische Kommunikation spielt eine wichtige Rolle für Fortpflanzung, Sozialverhalten, Nahrungsaufnahme, Verteidigung oder Orientierung. 

Es gibt stichhaltige Indizien dafur, dass vom Menschen in die Umwelt eingetragene Stoffe, wie zum Beispiel Duftstoffe aus Körperpflegemitteln, die chemische Kommunikation von Umweltorganismen beeinflussen. Weitere Studien werden klären, wie relevant diese Wirkung in der Umwelt ist und ob dieser Effekt ein neuer Endpunkt bei der ökotoxikologischen Risikobewertung sein wird.

Veröffentlichungen

Auswahl:​

  • Klaschka Ursula (2020) "This perfume makes me sick, but I like it." Representative survey on health effects associated with fragrances. Environmental Sciences Europe 32:30. https://doi.org/10.1186/s12302-020-00311-y, https://rdcu.be/b2eHq.
  • Steinemann Anne, Klaschka Ursula (2019). Exposures and effects from fragranced consumer products in Germany. Air Quality, Atmosphere, and Health. (12) 1399–1404. https://doi.org/10.1007/s11869-019-00770-0
  • Hartmann Sabrina, Klaschka Ursula (2018) Chemiekenntnisse sind gut, reichen aber nicht. Nachrichten aus der Chemie 66, S. 873-875
  • Hartmann Sabrina, Klaschka Ursula (2018) Do consumers care about substances of very high concern in articles? Environmental Sciences Europe 30:29https://enveurope.springeropen.com/articles/10.1186/s12302-018-0153-1doi.org/10.1186/s12302-018-0153-1)
  • Klaschka Ursula (2017) Trust, but verify! Personal Care Products in the Rapid Alert System Database RAPEX. Sustainable Chemistry and Pharmacy Volume 5, June 2017, Pages 30–41 http://dx.doi.org/10.1016/j.scp.2017.01.002
  • Klaschka Ursula (2016) Natural personal care products: analysis of ingredient lists and legal situation. Environmental Sciences Europe 28:8 DOI 10.1186/s12302-016-0076-7.  http://www.enveurope.com/content/pdf/s12302-016-0076-7.pdf, 14 pages
  • Klaschka Ursula (2016) Are natural compounds used in personal care products toxic for the aquatic environment? Sustainable Chemistry and Pharmacy (4) 13-20. http://dx.doi.org/10.1016/j.scp.2016.07.002 
  • Klaschka Ursula (2015) Naturally toxic: Natural Substances used in Personal Care Products Environmental Sciences Europe 27:1 doi:10.1186/s12302-014-0033-2 . http://www.enveurope.com/content/27/1/1
  • Klaschka Ursula, Rother Hanna-Andrea (2013)"Read this and be safe!" Comparison of regulatory processes for communicating risks of personal care products to European and South African consumers Environmental Sciences Europe 25:30 http://www.enveurope.com/content/25/1/30
  • Klaschka Ursula (2012). Dangerous Cosmetics - Criteria for Classification, Labelling and Packaging (EC 1272/2008) applied to Personal Care Products. Environmental Sciences Europe 2012, 24:37 DOI: 10.1186/2190-4715-24-37 URL: http://www.enveurope.com/content/24/1/37

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