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Gefahrstoffe

Wie gefährden Gefahrstoffe Mensch und Umwelt? Reichen die bestehenden gesetzlichen Bestimmungen zu ihrem Schutz aus? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der interdisziplinären Analysen in diesen Projekten, bei denen unter anderem bestimmte gesetzliche Bestimmungen zu Gefahrstoffen hinterfragt und anhand von öffentlich zugänglichen Daten analysiert werden.

Ansprechpartnerin:
Institut für angewandte Forschung

Aktuelle Projekte

Naturstoffe in Körperpflegemitteln

Projektleiterin: Prof. Dr. Ursula Klaschka
Projektlaufzeit: seit 2012

Projektbeschreibung:
Es ist bekannt, dass sehr viele Naturstoffe für Mensch und Umwelt giftig sind. Gibt es unter den Naturstoffen, die in Körperpflegemitteln eingesetzt werden, Gefahrstoffe? Um das herauszufinden, habe ich für die Naturstoffe, die in der europäischen Liste von Kosmetikinhaltsstoffen, INCI, aufgeführt sind, zusammengetragen, ob und wie die Hersteller diese Stoffe als Gefahrstoffe einstufen und kennzeichnen und kam u.a. zu folgenden Ergebnissen:

Mehr als die Hälfte dieser Naturstoffe sind Gefahrstoffe eingestuft. Viele Naturstoffe, die für den Schutz der Haut empfohlen werden, sind als hautreizende oder allergieauslösende Gefahrstoffe eingestuft, z.B. Kamillenextrakt, Baldrianextrakt oder verschiedene Orangenöle. Es sind auch einige krebserregende Stoffe darunter und zahlreiche Stoffe, die für Wasserorganismen eine Gefährdung darstellen. Meine Untersuchungen zeigen, dass Konsumenten beim Einsatz von Naturkosmetika grundsätzlich nicht weniger Gefahrstoffe auftragen als beim Einsatz von konventionellen Körperpflegemitteln. Eine weitere wichtige Schlussfolgerung meiner Studie ist, dass eine prinzipielle Ausnahmeregelung für Naturstoffe in der REACH-Verordnung sachlich nicht zu begründen ist.

Gefahrstoffe in Kosmetika

Projektleiterin: Prof. Dr. Ursula Klaschka
Projektlaufzeit: seit 2010

Projektbeschreibung:
Für Körperpflegemittel gibt es eine Ausnahmeregelung: Sie müssen nicht wie andere Chemikalien und Produkte eingestuft und gekennzeichnet werden, auch wenn sie Gefahrstoffe enthalten. Ich habe die Kriterien der EU Verordnung zur Einstufung und Kennzeichnung von Substanzen und Mischungen (CLP-Verordnung) auf Rezepturen von Kosmetikprodukten angewendet und dabei herausgefunden, dass ohne diese Ausnahmegenehmigung fast alle Körperpflegemittel als gefährlich eingestuft und kennzeichnet werden müssten.

Die CLP-Verordnung sieht neben den Gefahrenhinweisen (H-Sätze) auch Sicherheitsratschläge (P-Sätze) auf den Produkten vor. Bei Wegfall der Ausnahmeregel für Körperpflegemittel gäbe es für Verbraucher damit Hinweise für eine sichere Anwendung der Produkte. Ich habe die P-Sätze für einige Körperpflegemittelrezepturen entsprechend der CLP-Verordnung abgeleitet. Die Ergebnisse ergaben, dass die Empfehlungen für einen sicheren Umgang, die für andere Alltagsprodukte wie Klebstoffe, Waschmittel etc. gelten, für Körperpflegemittel nicht praktikabel sind. So müssten z. B. auf Parfüm die Sicherheitsratschläge stehen: „nach Gebrauch... gründlich waschen“ oder „bei unzureichender Belüftung Atemschutz tragen.“

Aus diesen Resultaten und aus meinen bisherigen Studien zu allergieauslösenden Duftstoffen folgt zum einen, dass es am besten wäre, aus Vorsorgegründen auf besonders gefährliche Stoffe in Körperpflegemitteln zu verzichten. Zum anderen, dass die Piktogramme der neuen EU-Verordnung zur Einstufung und Kennzeichnung unzureichend sind, und weiterhin, dass die aktuellen Regelungen keinem sinnvollen Konsumentenschutz entsprechen.

 

Der Infochemikalieneffekt

Projektleiterin: Prof. Dr. Ursula Klaschka
Projektlaufzeit: seit 2008

Projektbeschreibung:
Organismen aller Taxa nehmen ihre Umgebung ganz wesentlich über chemische Stoffe, sogenannte Infochemikalien, wahr. Diese chemische Kommunikation spielt eine wichtige Rolle für Fortpflanzung, Sozialverhalten, Nahrungsaufnahme, Verteidigung oder Orientierung. 

Es gibt stichhaltige Indizien dafur, dass vom Menschen in die Umwelt eingetragene Stoffe, wie zum Beispiel Duftstoffe aus Körperpflegemitteln, die chemische Kommunikation von Umweltorganismen beeinflussen. Weitere Studien werden klären, wie relevant diese Wirkung in der Umwelt ist und ob dieser Effekt ein neuer Endpunkt bei der ökotoxikologischen Risikobewertung sein wird.

Abgeschlossene Projekte

 

Veröffentlichungen

  • Auswahl:
  • Klaschka Ursula (2017) Trust, but verify! Personal Care Products in the Rapid Alert System Database RAPEX. Sustainable Chemistry and Pharmacy Volume 5, June 2017, Pages 30–41 http://dx.doi.org/10.1016/j.scp.2017.01.002
  • Klaschka Ursula (2016) Natural personal care products: analysis of ingredient lists and legal situation. Environmental Sciences Europe 28:8 DOI 10.1186/s12302-016-0076-7. http://www.enveurope.com/content/pdf/s12302-016-0076-7.pdf, 14 pages
  • Klaschka Ursula (2016) Are natural compounds used in personal care products toxic for the aquatic environment? Sustainable Chemistry and Pharmacy (4) 13-20. http://dx.doi.org/10.1016/j.scp.2016.07.002
  • Klaschka Ursula (2015) Naturally toxic: Natural Substances used in Personal Care Products Environmental Sciences Europe 27:1 doi:10.1186/s12302-014-0033-2 . http://www.enveurope.com/content/27/1/1
  • Klaschka Ursula, Rother Hanna-Andrea (2013)"Read this and be safe!" Comparison of regulatory processes for communicating risks of personal care products to European and South African consumers Environmental Sciences Europe 25:30 http://www.enveurope.com/content/25/1/30
  • Klaschka Ursula (2012). Dangerous Cosmetics - Criteria for Classification, Labelling and Packaging (EC 1272/2008) applied to Personal Care Products. Environmental Sciences Europe 2012, 24:37 DOI: 10.1186/2190-4715-24-37 URL: http://www.enveurope.com/content/24/1/37

Quicklinks